Klaus Schulze – Bon Voyage
Im November 1981 stand für Klaus Schulze eine zweiwöchige Tournee quer durch Deutschland, die Niederlande, Belgien, Luxemburg, die Schweiz und Frankreich auf dem Programm, die im Audimax Hamburg ihren Abschluss finden sollte. Als Special Guest begleitete Multi-Instrumentalist Manuel Göttsching Klaus mit auf Tour. Der hier vorliegende Mitschnitt des Hamburger Audimax Konzertes war ursprünglich als spontane, interne Dokumentation; als nettes Andenken für alle an eine schöne Tournee gedacht und lässt nun alle Fans nach mittlerweile mehr als 40 Jahren an den schönen Erinnerungen teilhaben. In diesem Sinne wünschen wir – ganz sicher auch im Namen von Klaus und Manuel – eine gute Reise. Bon Voyage!
Liner Notes:
Unsere Reise beginnt
Im November 1981 stand für Klaus Schulze eine zweiwöchige Tournee quer durch Deutschland, die Niederlande, Belgien, Luxemburg, die Schweiz und Frankreich auf dem Programm, die im Audimax Hamburg ihren Abschluss finden sollte. Das ‚Trancefer‘-Album war bereits im selben Jahr auf dem hauseigenen IC-Label erschienen.
Klaus‘ neues Tonstudio in Winsen/Aller war fast fertiggestellt, dazu erstmals auch ein eigenes Videostudio für die IC-Künstler. Bands wie Ideal, DIN A Testbild, Clara Mondshine, Robert Schröder und natürlich auch Klaus selber wollten ihre Produktionen ab Anfang der 80er Jahre zunehmend mit selbst gedrehtem Videomaterial aufwerten. Ich war damals für den Bau und den technischen Betrieb des Audio- und des Video-Studios zuständig. Als gelernter Fotograf und durch mein Studium hatte ich das notwendige theoretische Wissen für diese Aufgabe. Und ‚nebenbei’ hatte ich in dieser Zeit schon diverse LP-Covers für IC erstellt. In der Regel auch immer in direkter Zusammenarbeit mit den jeweiligen Musikern, denn die Beteiligung der Künstler war ja einer der Grundsätze von IC. Beim ‚Trancefer‘-Cover zum Beispiel hatten Klaus und ich eine äußerst kreative, lange Nacht an der Videokamera und am Bildschirm.
Ein weiterer, nächtlicher Anruf von Klaus riß mich Mitte Oktober 1981 jäh aus den kniffligen Schaltplänen eines Videosteckfeldes: Blaumi, der reguläre Bühnentechniker aus der KS Live-Crew war für die Tour im November nicht mehr verfügbar – und ich sollte für ihn einspringen. So kam ich quasi über Nacht zu meiner ersten Konzert-Tournee mit Klaus Schulze. Ein echter Sprung ins kalte Wasser – denn den Live-Job als Techniker auf der Bühne hatte ich vorher noch nie gemacht.
Anders als bei späteren KS-Tourneen wurden 1981 noch keine Wohnmobile genutzt, sondern normale Pkw und ein zusätzlicher, kleiner Lkw für Instrumente, Licht- und Tonanlage. Es war eine relativ kleine Tour vom Equipment her; wir hatten eine eigene PA, also die Tonanlage dabei und nur ganz wenig Licht. Müller operierte jeden Abend nur mit Rot, Blau, Grün und Lila – mehr gab es damals nicht.
Obwohl diese Tour im November ´81 offiziell als ‚Trancefer‘-Tour beworben wurde, nannten wir sie intern alle immer nur ‚die Kirchentour‘, denn fast die Hälfte aller Konzerte dieser Reihe fand tatsächlich in Kirchen statt. Die Akustik war natürlich bisweilen als ‚eher abenteuerlich‘ zu bezeichnen – schließlich wurden die wenigsten Kirchenschiffe im Spätmittelalter so konstruiert, das darin rein elektronische Konzerte mit Tonanlagen aus den frühen 1980er Jahren gut klingen würden. Aber das ist der heutige Blick – wir waren in jenem November eher damit beschäftigt, den jeweiligen Küster davon zu überzeugen, uns doch bitte seine Sakristei als Backstage nutzen zu lassen. Manches Mal war es schier unmöglich, unsere gesamte Licht- und Tonanlage durch elend schmale Kirchengänge und -Türen zu bugsieren, und meistens gab es für uns keine Künstler-Garderoben wie in einem Theater oder Rock-Club. Warum nur waren so viele der Küster auf der Kirchentour uns gegenüber so reserviert? In bestimmten Kirchen, bekamen wir irgendwann heraus, hatten offensichtlich schon berüchtigte Konzerte stattgefunden, bei denen die beteiligten Musiker trotz (oder gerade wegen?) ihrer klassischen Herkunft sich absolut nicht wie Musterknaben verhalten hatten. Wir stießen also auf manches sogar wohlbegründete Vorurteil. Generell mussten wir als gesamtes Team auf dieser Tour viel improvisieren – aber das war für Klaus und auch für seinen Lieblingsgast Manuel kein Problem, denn schließlich gingen die beiden selber in den Konzerten jeden Abend gemeinsam auf eine neue Reise ins Unbekannte.
Obwohl ich für mein Leben gern fotografiere, kam ich bei dieser Tour nicht immer dazu. Mein Job war ja von Jetzt auf Gleich das Live-Equipment von Klaus und auch Manuel geworden, und die Technik der frühen 80er brachte genügend Tücken und Schwachstellen mit sich, so daß man eigentlich rund um die Uhr beschäftigt war, damit abends beim Konzert auch alles funktionierte. Bei den Schnappschüssen, auf denen ich selber zu sehen bin, bat ich also auch mal die anderen aus dem Team für mich mit meiner Kamera zu fotografieren.
Das alles ist jetzt, nach schlappen 43 Jahren, durchaus schon etwas verblasst. Aber den nun vorliegenden Live-Mitschnitt aus dem Audimax gibt es am Ende nur, weil wir nach dem vorletzten Konzert auf dieser Tour – und das war das Heimspiel in der Berliner Thomaskirche – beschlossen hatten, für das letzte Konzert im Hamburg unsere erste, bescheidene Videoausrüstung aus Winsen einzufliegen. Gesagt, getan – ich fuhr also aus Berlin schon am Abend zurück nach Winsen, um dort einen ganzen Kombi voll Videoequipment aus dem Studioneubau zu holen. Von Winsen nach Hamburg war es dann am nächsten Morgen nicht mehr weit und ich hatte schon Stunden vor dem Eintreffen der gesamten Truppe im Audimax mit dem Aufbau der Videoausrüstung begonnen. Zum Einen war unsere Videotechnik 1981 noch relativ überschaubar (wir hatten nur eine einzige Kamera zur Verfügung) und zum Anderen musste ich dann ja noch meinen eigentlichen Job machen – nämlich den Aufbau von Klaus‘ Keyboards und Mischpult und nicht zu vergessen auch noch Manuels Gitarrensynthesizerpark…
Das jetzt vorliegende Video und auch der Tonmitschnitt waren eigentlich nie wirklich für eine offizielle Veröffentlichung geplant, muss man fairerweise sagen, sonst hätten wir da sicherlich mehr Aufwand betrieben (und auch noch mehr Konzerte gefilmt). Es war eher gedacht als spontane, interne Dokumentation; als nettes Andenken für alle an eine schöne Tour – und, ganz ehrlich, hauptsächlich als Test für unsere gerade ausgepackte und noch nicht eingemessene U-Matic Aufzeichnungsmaschine… Aber mir gefällt der Gedanke, dass heute nach den mittlerweile mehr als 40 Jahren alle an unseren schönen Erinnerungen teilhaben können! Es war eine wirklich tolle Zeit mit Allen und ich bin dankbar, bei dieser speziellen Reise 1981 dabei gewesen sein zu können. Und für mich ging es mit Klaus dann ja auch noch in den folgenden Jahren auf weitere Tourneen…
Euch allen da draußen wünsche ich heute – ganz sicher auch im Namen von Klaus und Manuel – eine gute Reise. Bon Voyage!
Tour Dates 1981
- November – Grugagelände, Essen, Germany
- November – St. Michael Kirche, Köln, Germany
- November – Peterskirche, Frankfurt, Germany
- November – Gustav-Adolf-Gedächtnis-Kirche, Nürnberg, Germany
- November – St. Lukaskirche, München, Germany
- November – Volkshaus, Zürich, Switzerland
- November – Palais d‘Hiver, Lyon, France
- November – Hall Polyvalent, Schifflange, Luxembourg
- November – Stadtschouwburg, Heerlen, Netherlands
- November – Vorst Nationaal, Brussels, Belgium
- November – De Vereeniging, Nijmegen, Netherlands
- November – Stadsgehoorzaal, Leiden, Netherlands
- November – Thomaskirche, Berlin, Germany
- November – Audimax, Hamburg, Germany
Credits
All titles written by Klaus Schulze and published by P.O.E.M. Musikverlag.
Keyboards and Electronica by Klaus Schulze. Guitar and guitar synthesizers by Manuel Göttsching.
Album produced and remastered by Tom Dams at Studio Forstmehren.
All 1981 Tour and IC studio pictures by Claus Cordes except where indicated otherwise.
Artwork by CrudeART Design, Christian Bröhenhorst.
SPV Recordings/Kat# 257320 (CD)/257321(LP)/886922573200 (CD)/886922573217 (LP)/ LC08100/
Vertrieb: SPV
2CD+DVD / 2LP
VÖ: 25.4.2025